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Eine Woche Klassenfahrt liegt hinter mir

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Es ist vollbracht. Ich habe eine Woche Klassenfahrt mit der 4. Klasse überstanden. 29 Kinder die zum Schluss zwar nur noch 28 waren weil ein Kind wegen „Heim- und Zahnweh“ abgeholt wurde, haben die Tage mit uns Erwachsenen ebenfalls überstanden. Wetter hätte man sicher besser machen können. Nur lässt sich nicht alles aussuchen und im Grunde hat es gepasst. Der dritte Tag war leider sehr verregnet und die Kids mussten sich fast ausschließlich im Bungalow aufhalten. Auch da hatten wir aber eine gute Abhilfe. Ich persönlich durfte von der Klassenfahrt sehr viele Erkenntnisse und neue Erfahrungen mitnehmen.

Ich fasse die Klassenfahrt einfach mal in ein paar Worte und setze meine Einschätzung und Erfahrungen einfach mit ran, damit ihr versteht wie ich über welche Dinge denke und so einen kleinen Eindruck von der Klassenfahrt bekommt.

Am ersten Tag

Zunächst stand das Treffen mit allen Kindern auf dem Schulhof an. Warten auf den Bus. Gespräche zwischen den Eltern und erste Feststellungen – ah, dass haben wir vergessen – hat es natürlich auch bei manchen gegeben. Kann ja passieren. Im Bus angekommen und das Gepäck unten verstaut ging die Reise los.

Zwei Stunden waren für die Fahrt in die Dübener Heide angesetzt. Der Busfahrer schaffte es aber leider trotz moderner Navigationshelfer nicht, auf Anhieb den richtigen Weg zu finden. Nachdem er den Reisebus beliebig oft vor und zurück rangierte, quer den Bauern Furchen in die Felder fuhr, standen wir nach fast drei Stunden auch endlich vor der Anlage „KiEZ Friedrichsee“.

Gepäck ausladen und Bungalows auf die Mädels und Jungs verteilen. Im Bus vereinten sich viele Kinder eh schon. Die Frage wer mit wem auf ein Zimmer geht, war prinzipiell bereits geklärt. Erste Herausforderung für die Kids waren die Betten. Natürlich sollte jeder sein Bett beziehen und bei Kindern die zwischen 9 bis 11 Jahre alt sind, darf man auch die Hilfe untereinander erwarten. An dieser Stelle musste ich erstaunt jedoch das Gegenteil feststellen. Fast kein Kind schaffte es die Bettdecke zu beziehen. Gut, die sind auch größer als die Kids selbst und das verstehe ich. Die Kissen und Laken haben viele Kinder geschafft. Kinder die bereits fertig waren hockten dann jedoch auf den Betten und wenn man reinkam quasselten sie nur „Ich bin fertig!“ und freuten sich. Wenn einer von fünf Kindern durch war, dachte dieser nicht daran den anderen zu helfen, sondern freute sich nur. Das Prinzip zog sich bei den Jungs durch jeden Bungalow. Bei den Mädels kann ich es nicht beurteilen. Dort halfen natürlich die weiblichen Betreuer. Gegenseitige Hilfestellungen sind also wirklich nicht die Stärke der Kinder heutiger Generation (man, da merkt man wohl was unsere Eltern immer sagten). Ja mit der Zeit verschieben sich in den Generationen gewisse Eigenschaften.

Am ersten Tag haben wir sonst nicht mehr viel unternommen. Mit den Kindern sind wir nach dem Mittagessen eine Runde im Wald spaziert und entdeckte dabei auch den kleinen Friedrichsee, der in der Mitte von einer Sandbank durchzogen war. Dort konnten die Kinder sich ein, zwei Stunden austoben. Fanden viel Kohle – wurde dort bis vor ca. 20 Jahren manuell abgebaut – und staunten, die Erde unter Baumwurzeln weggespült werden konnte, ohne die Bäume ins Schwanken zu bringen. Ideal, denn dadurch konnten Kinder unter den Bäumen durchkrabbeln. Wann kann man schon mal unter einen Baum kriechen. ;-)

Nachtruhen

Die Nächte waren durch die ganze Woche hinweg ohne Komplikationen. Keine Aufstände, kein Ärger. Einzig zwei Kinder klagten über Heimweh. Eines der Kinder hatte leider auch Zahnweh und wurde dann am dritten Tag von den Eltern abgeholt. Das andere Kind schläft mit bei den Erwachsenen in einem eigenen, getrennten Zimmer und Bett. Das Heimweh ist dadurch weg und das Kind hat den ganzen Tag über total viel Spaß. Schlafen ist bei keinem Kind ein Problem gewesen. Als spätestens 22.00 Uhr auf dem gesamten Gelände die geregelte Nachtruhe angesetzt war, schlief die Mehrheit aller Kinder längst.

Tag 2: Schatzsuche & Disco

Und sie schliefen, außer am ersten Tag auch immer bis wir sie aus den Federn holten. Nur beim ersten Aufstehen waren bereits Kinder vor uns Erwachsenen auf den Beinen und auch außerhalb vom Bungalow. Jedoch war das ca. 06.00 Uhr. Die Klarstellung das alle Kinder im Bungalow bleiben bis wir Bescheid sagen zog ab dem zweiten Aufstehen.

Nach dem Frühstück war an Tag 2 direkt die Schatzsuche angesagt. Die Kinder wurden in ihre zwei üblichen Klassen (4a und 4b) eingeteilt und bekamen eine Karte mit verschiedenen Rätseln. Deren Ergebnis war ein gemeinsamer Zahlencode durch den beide Klassen eine gemeinsame Schatzkiste öffnen konnten. Zuvor mussten beide Klassen auf getrennten Wegen aber den richtigen Pfad zur Schatzkiste finden. Ein Orientierungsmarsch also. Ein Kind erhielt die Karte und ein weiteres Kind die Rätsel.

Gemeinsam mussten sie die Gruppe (Klasse) dann führen. Hier zeigte sich schnell wer eine große Klappe hat und gern das Ruder übernimmt. Wie dem auch sei, am Ende wurde die Kiste gefunden und wir warteten auf die andere Klasse mit ihrem Zahlencode, damit die Kiste geöffnet werden konnte. Zur Belohnung für eifrig große Töne durfte das auserwählte Kind natürlich die Kiste auch zurück ins Camp tragen. Nein, es war keine schwere Kiste. Er hat sie auch gern getragen und wollte die Kiste auch nicht mehr an andere Kinder abgeben.

Nachdem im Anschluss viele Kinder im Camp auf der Seilbahn und anderen Geräten tobten, haben wir am Ende des zweiten Tages die Disco organisiert. Kinder-Disco, Wahnsinn! Kinder können sich ja so aufbrezeln – egal ob Mädels oder Jungs – das glaubt man kaum. Da sind einige dabei gewesen die extra Outfits für Discoabende dabei hatten, ohne zu wissen das es überhaupt eine Disco geben wird. Sprich, nur für den Fall der Fälle. Starke Leistung und meiner Meinung nach wieder ein Zeichen dafür, wie sich Generationen verändern und Dinge verschieben. Anfangs wussten wir nicht so recht welche Musik die Kinder richtig auf Touren bringt. Auf einmal stand die CD auf Lied 5 und es erklangen „die Atzen“. Krass, kein Kind blieb mehr sitzen. Alles tanzte und feierte zu Discopogo. :-D

Tag 3 und Tag 4

Die letzten beiden vollen Tage waren leider merklich vom Regen gestört. Besonders am dritten Tag musste die Kinder Geduld beweisen. Regen, fast den kompletten Tag. Wir nutzten die Zeit für Bastelarbeiten. Mit den Füßen von Damenstrumpfhosen wurden kleine Säckchen gebildet, die im Anschluss mit Holzspänen und Grassamen gefüllt wurden. Mit Hilfe von Gummis konnten die Kids den Inhalt fixieren und verschiedene Formen wie Schildkröten, Teddybären und Pinguine formen. Bei dieser Aufgabe konnte man schön herausfinden wie kreativ Kinder sind. Wie gut sie selbst arbeiten können und wie ruhig sie bleiben, wenn mal etwas nicht funktioniert.

Im Anschluss ans Basteln gab es eine Stunde Pause und dann Mittagessen. Mit vollem Bauch durften die Kids jetzt eine DVD anschauen. Danach draußen spielen gehen. Nach dem Abendessen sind wir ca. 19 Uhr noch auf den Fußballplatz und haben etwa eine Stunde mit Kindern und Erwachsenen gespielt. Natürlich gemischte Mannschaften. Wir Erwachsenen wollten ja nicht verlieren. ;-)

Abreise

Tag 5 war mit Aufgaben rund um die Abreise gefüllt und im Anschluss ging es in den Bus und zurück nach Merseburg. Die Klassenfahrt war vorbei. Einerseits gut, anderseits aber auch schade. Schade für die Kinder weil das Wetter die Woche einfach nicht mitspielte. Bis auf wenige Ausnahmen schafften es alle Kinder, ihre Betten wieder abzuziehen und die Koffer vollständig zu packen. In den Bungalows wurde ordentlich geputzt. Keine Schäden haben die Kinder zurückgelassen. Die Erwachsenen auch nicht. :-P

Letztere Erkenntnis die ich während der Klassenfahrt machen durfte war die, dass Kinder nach dem Aussteigen aus dem Bus sehr schnell verschwunden waren. Zwar gaben mir alle noch kurz die Hand und liefen dann zu ihren Eltern aber ca. 3 Minuten nach Ankunft des Busses waren von 27 Kindern nur noch etwa 5 Kinder anwesend. Der Rest war längst mit den Eltern verschwunden. Das Interesse hier noch kurz bei den Erwachsenen zu fragen ob alles in Ordnung war, scheint heutzutage bei vielen Eltern nicht vorhanden. Hauptsache schnell weg. :-( Ich finde das äußerst schade, denn auf diesem Weg kann kein Kind nochmal gelobt werden. Keine Fragen können geklärt werden und die Lehrer wissen auch nicht recht welches Kind bereits abgeholt wurde.

Fazit

Nun gut, auf jeden Fall war die Klassenfahrt wirklich bis zum letzten Tag ein angenehmes Erlebnis. Ich durfte dann wenigstens auch feststellen, wie sinnlos es scheint, manchen Eltern vor der Klassenfahrt einen ordentlichen Zettel mit allen wichtigen Informationen zur Klassenfahrt mit zu geben. Regenjacken, Wechselschuhe etc. alles stand auf dem Zettel und bei vielen Kindern war nicht viel dabei. Richtig erschrocken war ich besonders bei den Kindern, die nur in Stoffhosen kamen. Ich meine wir haben April, es war schlechtes Wetter vorhergesagt und die Eltern schicken die Kinder in Stoffhosen. Wenigstens eine Jeans hätte man doch erwarten dürfen. Hier frage ich mich was in den Köpfen der Kinder vorgeht. Genau wie dicke, aber nur aus einfachem Stoff bestehende Jacken. Die saugen sich mit Wasser voll wie ein Schwamm. Da kann ich mein Kind auch ohne Schuhe in den Ski-Urlaub schicken. Ein ganz großes Tabu sind für mich Tabletten. Manche Kinder hatten Schmerztabletten dabei. Wir als erwachsene Personen bzw. besonders die Lehrer, wussten nichts davon. Es ist ja so. Lehrer dürfen Kindern keine Medikamente mehr verabreichen. Das ist seit neuestem so und seither müssen die Lehrer immer alles schriftlich von Eltern bekommen. Auch Hustensaft etc. ist nicht erlaubt. Ein Elternteil verbot den Lehrern vor der Klassenfahrt sogar das Entfernen von Zecken, sollte das Kind den eine haben. Na ja, muss jedes Elternteil selbst entscheiden. Ich halte es nicht für den korrekten Weg, mein Kind mit einer Zecke länger rumlaufen zu lassen, als unbedingt notwendig.

Positiv ist aber die Klassenfahrt insgesamt. Alle Kinder die bis zum Ende anwesend waren, haben sich auch gut verhalten. Ich persönlich konnte viele Dinge lernen. Besonders in Sachen Geduld war es wieder mal zu meinen Gunsten, hiervon sehr viel zu besitzen.

Ich würde es wieder machen. :-) Irgendwann, vielleicht.

3 Kommentare

  1. Sehr gut beschrieben, schien eher Urlaub für Dich gewesen zu sein …

    Deine Anmerkungen und Fazits find ich interessant, der Blick auch für die kleinen wesentlichen Dinge macht den Unterschied, ob man nach einer Klassenfahrt bei den Aufsichtspersonen nachfragt, wie es war, oder ob man gleich verschwunden ist.

    Deine Feststellung vom Tag 1, was die gegenseitige Hilfe betrifft:
    So ist das leider geworden, der Generationswandel hat sich in den letzten 20 Jahren extrem beschleunigt, Werte wie Rücksichtnahme und gegenseitige Hilfe zählen nicht mehr.
    Als ich in dem Alter war, gab es noch die DDR, wenn ein Jahr später nicht mehr.
    Wir wurden immer angehalten usn gegenseitig zu helfen, was auch Spaß gemacht hat, denn meistens gab es ein Lob von den Erziehern/Lehrern und daraufhin Anerkennung von Klassenkameraden.

    Leider haben die Erwachsenen seitdem das Loben vergessen, wenn ich meinen Sohn in die Kita bringe, lassen die harten Worte und Töne, die die Eltern zum Teil anschlagen die Ohren schlackern.

    Komischerweise erziehen die meisten Eltern heute it Strafen und Verboten und nicht mehr mit Bestätigung und Lob.
    Da ich meinen Sohn immer wieder bestätige, lobe und in seinem Tun bekräftige, hat er von Anfang an gelernt, Ausdauer zu entwickeln, selten jähzornig zu werden und sich Mühe zu geben bei allem was er macht.

    Allein die Tatsachen, dass viele Kinder die falsche Kleidung dabei hatten, dass der Kontakt von den Eltern zu den Lehrern und Erziehern nicht gesucht wurde, zeigt ganz klar, dass die Prioritäten heute leider zu Ungunsten der Kinder verschoben sind.

    Umso schöner, wenn es Menschen gibt, die sich tatsächlich Mühe geben und Einsatz zeigen, nicht nur im Interesse der eigenen Kinder.

  2. Traurig, aber war! So lebt irgendwie jeder in seiner eigenen kleinen Welt! Aber, dass sich Eltern nach der Klassenfahrt nicht mal kurz bei den Lehrern über die Geschehnisse erkundigen ist schon wirklich schade! So wie Kinder seltener gelobt werden, werden auch die “Leistungen” von Erziehern in Kindergärten oder Lehrern in den Schulen immer seltener oder auch gar nicht mehr gewürdigt, sondern nur Sachen breitgetreten die nicht so gut gelaufen sind! Momentan ist nicht nur Geiz geil, sondern auch meckern und beschweren gehören leider mittlerweile zum guten Ton!

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